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Ernstes Schrill und schräg

Von Ursula Badrutt Schoch

Kostüme wie Kunstwerke und Kunstwerke wie Kostüme hängen im Atalierhaus in Wald AR an den Wänden. Ein penetrantes Karomusterkleid, ein brauner Filzrock mit aufgestickten „Heimweh sprach noch nie zu mir“ und über dem Esstisch glitzert die „Zucker Zukunft“. Ein Jahr lang haben sie alsStipendiaten am Waldrand, am Rand vom Wald, im Birli, im Haus der Renee & Renia Schlesinger-Stiftung gearbeitet, komponiert, getextet, genäht und gewirkt.

Exotische ruhe

Und wirken lassen. „Die Ruhe hat uns eigene Entwicklungsschritte erlaubt und andere Standpunkte einnehmen lassen. Ich bin irgendwie zuversichtlicher geworden hier und habe Mut geschöpft“ erzählt Bella Angora, und Christian Falsnaes betont dass es ihm zwar anfangs alles etwas exotisch vorgekommen sei, dass er aber viel platz zum denken gefunden habe. Seit Monaten sind die beiden Künstler aus Bregenz und Kopenhagen intensiv mit ihrer  Arbeit am neuen Stück mit dem sperrig langen namen „Texas Rangers trying to solve the cow-bell-massacre-problem again and again“ beschäftigt. In einzelnen Auftritten, etwa von „Feel“ in Appenzell und „Patterns“ in Migros Museum in Zürich, aber auch einem grösseren Projekt „Expect us!“ haben sie Teilstücke aufgeführt.
Jetzt präsentieren Christian Falsnaes und Bella Angora zusammen mit So:ren Berner aus Holland die stündige Performance-Installation – zum Auftakt und als Dankescön in jener Gegend wo sie entstanden ist: morgen Donnerstag im Projektraum exex am Oberen Graben 38 in St. Gallen, am Samstag im Hotel Alpenhof an der St. Antonstrasse 318 in Oberegg. Bereits ist ein Tourneeplan im Vorbereitung, der zum Beispiel vom Kaskadenkondensator in Basel, dem Museum für Angewandte Kunst in Wien über den Steirischer Herbst in Graz bis nach New York führen konnte.

Appenzellerland zum Anfangen

Ausgangslage ist und bleibt aber das Appenzellerland. Da ist die Kuh, die ihr ödes Dasein auf den Hügelweiden satt hat, die sich selber definieren well. Die alsbald zum Supermenschen mutiert und auf unerwartete Schwierigkeiten trifft – auf die menschlichen dinge des Lebens eben. Reminiszenzen an die Appenzeller Bauernhausarchitektur bilden die Projektionsfläche etwa für Spraykunst, Sternenhimmel und Börsenhektik. Gegebene Werte werden in frage gestellt. Die Antworten aber, neue Leitplanken, muss die Kuh, die sich selber finden will, sich selber erarbeiten. So ist sie denn auch nicht gefeit vor den Verlockungen der Macht, vor Selbstüberschätzung und Grössenwahn als negative Auswirkungen von erfolg und Anerkennung. In lockerer Manier motiviert das Stück, Verhaltensmuster zu überdenken und sich der Gefahr von neuen Infiltrationen bewusst zu werden.
Eine Rap-battle-Einlage bringt den Streit auf die Bühne, der Sieger kann wie in den grossen TV-Shows und modernen Demokratien per sms gewählt werden. Augenzwinkern macht die ernsten Inhalte schrill und schräg. Weltpolitische Dimensionen, die USA als Supermacht, Liebe, Sexualität und Geschlechterfragen. Philosophie und Unterhaltung – alles hat Platz im dichten Stück.

Beflügelnde Leichtigkeit

„Es ist uns wichtig, dass wir immer wieder die Erwartungen des Publikums brechen“, betonen Bella Angora und Christian Falsnaes. Humor zwischen Melancholie und Absurdität geben dem Ernst der Inhalte nicht mehr als nur erträgliche, nämlich beflügelnde leichtigkeit. „Texas rangers“ ist tiefgründig wie Träume und bedenkenswert wie das Leben. Wichtiges Transportvehikel für die Gefühle und Inhalte aber ist und bleibt in „Texas Rangers“ die Musik. Davon bekommt man nicht so rasch genug. Drum: Nicht verpassen und higehen.